Rauenberg hat einen Bürgerbus
Von Agnieszka Dorn
Rauenberg. Die Idee entstand sozusagen aus der „Not“ heraus“. Weil in Rauenberg im letzten Jahr der Discounter Aldi abgerissen und neugebaut wurde und gleichzeitig auch der Rewe-Supermarkt wegen Modernisierung geschlossen hatte, kam der Seniorenbeauftragte der Stadt Rauenberg, Norbert Menges, auf die Idee, ältere Menschen zum Einkaufen in eine der umliegenden Gemeinden zu fahren. Nach Absprache mit der Stadt und der Feuerwehr stellte man ihm einen Mannschaftstransportwagen der Wehr zur Verfügung. Als langjähriger Feuerwehrmann ist Menges das Fahren eines solchen Fahrzeugs gewohnt, erzählt er.
Aus der Not wurde eine Tugend gemacht, denn jetzt hat die Stadt einen Bürgerbus, der zwei Mal in der Woche nach vorheriger Anmeldung Menschen innerhalb der Stadt und den Ortsteilen zum Einkaufen oder zum Arzt fährt.
„Den Bürgerbus können alle Menschen in Anspruch nehmen, die innerhalb von Rauenberg Besorgungen erledigen müssen“, sagte Bürgermeister Peter Seithel. Der Service gilt auch für nicht in Rauenberg lebende Bürger, die sich gerade hier aufhalten. Nach Rücksprache mit dem Öffentlichen Nahverkehr, Taxiunternehmen und dem Landratsamt fährt der Bürgerbus nur innerhalb Rauenbergs mit den Ortsteilen Malschenberg und Rotenberg. Der Service soll keine Konkurrenz, sondern eine Bereicherung sein. Vorwiegend sollen die Fahrten zum Einkaufen, etwa zum Wochenmarkt oder den Nahversorgern, sowie zu Ärzten genutzt werden. Wer aber andere Wünsche hat, kann sich mit dem Rathaus in Verbindung setzen und diese äußern.
In den Bürgerbus passen fünf Personen. Aufgrund der Pandemiesituation transportiert der Bus momentan nur Personen aus einem Haushalt. „Sobald die Situation sich weiter entspannt, können natürlich Personen aus mehreren Haushalten mitgenommen werden“, sagt der 65-jährige Norbert Menges, denn solche Fahrten dienen auch dem sozialen Zweck. Man tauscht sich während der Fahrt untereinander aus, erzählt, was es Neues gibt und genießt die Geselligkeit, wie Menges erklärt.
Der Bürgerbus soll nicht nur als Transportmittel genutzt werden, sondern auch die Gemeinschaft stärken. „Fahrten ins Blaue machen wir aber nicht“, sagt Norbert Menges mit einem Augenzwinkern.
Menges ist Träger des Ehrenrings der Stadt Rauenberg und sitzt selbst am Steuer, zudem hat die Stadt weitere ehrenamtliche Fahrer gewinnen können – momentan sind es sechs Personen.
Als richtiges Erlebnis hatten die Bürger die Fahrten mit dem Mannschaftstransportwagen der Wehr empfunden, erzählt Menges, denn wer sitze schon mal in einem Feuerwehrauto, selbst wenn es kein Löschfahrzeug sei.
Der Rauenberger Bürgerbus ist ein nagelneues E-Auto und hat rund 30 000 Euro gekostet, finanziert wurde der Wagen von der Gemeinwohlstiftung Rauenberg. Die Stiftung übernimmt alle weiteren Kosten wie Versicherung, eventuelle Reparaturen oder das Aufladen mit Strom. Das Fahrzeug hat zudem eine Einstiegshilfe, ältere Menschen können somit bequemer einsteigen, Platz für Rollatoren und Einkaufstaschen gibt es natürlich auch.
Der Bürgerbus ist einsatzbereit und fährt immer mittwochs von 9 bis 13 Uhr und freitags von 13 bis 16 Uhr kostenfrei nach Anmeldung im Rathaus. Momentan ist das Tragen einer medizinischen oder FFP2-Maske während der Fahrt Pflicht. Auch sollte bei Symptomen einer Corona-Infektion auf Fahrten verzichtet werden.
Info: Wer den Bus nutzen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 06 22 2/6 19 50 anmelden. Das Angebot ist kostenlos. Der Bus fährt immer mittwochs von 9 bis 13 Uhr und freitags von 13 bis 16 Uhr.
RNZ vom Donnerstag, 14.10.2021